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Hervé Fischer
Hervé Fischer

Kunst ist Mythos, Mythos ist Kunst, selbiges gilt ebenso für die Kreationen der Wahrsager wie für die fabulierenden Praktiken der Menschheit auf der Suche nach sich selbst. Es handelt sich um die Feier der Gründungsmythen der Gesellschaft. Von Gott, über den Menschen und die Natur, vom Realismus, über Abstraktion, Kubismus, Suprematismus, Konstruktivismus, Surrealismus, bis hin zur  inneren Notwendigkeit oder Magie des Numerischen, die sich in der Architektur, in Theater, Musik, Literatur, Philosophie, Tanz, Performance oder Malerei breitmacht, macht Kunst den größten aller Mythen, den Mythos von der göttlichen Schöpfung für sich geltend oder erzählt vom Verfall der großer Erzählungen der Menschheit, die sie versichert zu verkörpern. Wo Kunst sich selbst sowie die Gesellschaft, die sie feiert, befragt, wird sie deshalb schließlich zu einer soziologischen Kunst im Sinne einer Mythenanalyse.

Dies ist keine neue Erkenntnis. Die Analyse der Kunst als Mythos entspricht einer Archäologie der Gegenwart wie der Zukunft. Ich habe bereits während einer Performance im Centre Pompidou davon gesprochen, als ich ankündigte : « Kunstgeschichte ist tot». 

Januar, 2013